Geschichte des Eschbach-Gymnasiums

In den Wiederaufbaujahren der Nachkriegszeit entstanden auch im Stuttgarter Norden neue Stadtteile: Rot machte 1949 den Anfang, 1956 wurde mit dem Bau der Mönchfeldsiedlung und 1963 mit dem Freiberger Wohngebiet begonnen. Auf dem Freiberg siedelten sich vornehmlich junge Familien an, so dass der Altersdurchschnitt der bis zu 15jährigen mehr als das Doppelte über dem Bundesdurchschnitt lag.
Von dieser Entwicklung profitierte bereits das Gymnasium Zuffenhausen, das 1962, 50 Jahre nach seinen Anfängen als Realschule ein eigenes Schulgebäude erhielt. Doch schon bald war absehbar, dass ein Gymnasium allein dem sich abzeichnenden Schüleransturm nicht gewachsen sein würde, denn die Bevölkerungsstruktur des Einzugsgebietes wies 41 Prozent der Einwohner als schulpflichtig aus; ein im Stuttgarter Raum einmalig hoher Prozentsatz.

In einer Zeit, da die Folgen der ersten westdeutschen Wirtschaftskrise noch spürbar waren, entschlossen sich das Oberschulamt und die Stadt Stuttgart, den Bitten und Vorschlägen des Elternbeirates und der Schulleitung des Gymnasiums Zuffenhausen zu entsprechen und dem bestehenden Schulbereich ein Progymnasium anzugliedern. Mit Beginn des Schuljahres 1969/70 wurden neun Klassen mit insgesamt 269 Schülern in die Räumlichkeiten der Lenauschule ausgegliedert. Neun Monate nach der Einführung von Oberstudiendirektor Erich Rudolph als Schulleiter des Gymnasiums Zuffenhausen wurde Dr. Heinz Schubert in das Amt als Leiter des Progymnasiums eingeführt. Es begann eine Zeit intensiven Engagements der Freiberger Eltern und des Elternbeirates unter seinem Vorsitzenden Karlheinz Salini für ihre Schule, die möglichst zum Vollgymnasium ausgebaut werden sollte.
In Zusammenarbeit mit der Herbert-Hoover-Schule und der Park-Realschule wurden die damaligen Stadträte, Oberbürgermeister Dr. Klett und Kultusminister Professor Hahn mit konkreten Vorschlägen für ein Schulzentrum Freiberg konfrontiert, das in seiner Konzeption zunächst ganz in der kulturpolitischen Diskussion der damaligen Zeit an die Idee der Gesamtschule angelehnt war. Nachdem die Unterrichtssituation am Progymnasium schwieriger geworden war (Lehrer- und Raummangel), der „Arbeitskreis Freiberg“ seine Aktivitäten pro Gymnasium Freiberg verstärkte und Gemeinderatsfraktionen Unterstützung signalisierten, wurde das Progymnasium in „Progymnasium Freiberg“ umbenannt. Ab dem Schuljahr 1971/72 wurde das Progymnasium zweizügig; ein weitere Grundlage für ein Vollgymnasium war gelegt. Im August 1972 genehmigte das Kultusministerium den Ausbau der Progymnasiums; der Gemeinderat setzte dies im Dezember 1972 mit dem Baubeschluss für das Schulzentrum Freiberg um. 22 Millionen Mark Haushaltsmittel wurden bereitgestellt, um das Gymnasium zum Schuljahr 1975/76 fertigzustellen.
Zehn Jahre nach der Übergabe des Zuffenhausener Gymnasiums hatte sich der Gemeinderat also für ein weiteres im Stuttgarter Norden entschieden. Die Mühlhausener, Mönchfelder, Freiberger hatten den Bau ihres Gymnasiums durchgesetzt.
Im Herbst 1975 feierte Freiberg mit den anderen Wohngebieten die Einweihung seines Schulzentrums, das aus zwei Sonderschulen, einer Grund-, Haupt- und Realschule sowie einem Gymnasium besteht. Das Schulgebäude mit 36 Klassenräumen (wovon 12 Räume der Realschule gehören), zwei Musik- und drei Zeichensälen sowie einem Sprachlabor war fristgerecht zum Schuljahresbeginn erstellt worden. Am 15. November fand dann ein Tag der offenen Tür mit über 5000 Besuchern und drei Tage darauf ein grandioser Schulball statt, der wegen Überfüllung viele Besucher zum Feiern vor das Gebäude zwang.
Das Gymnasium nahm seine Arbeit im neuen Gebäude mit einer Gesamtschülerzahl von 732 in 26 Klassen auf. Der Elan der Lehrer- und Elternschaft, der sechs Jahre nach Entstehung des Progymnasiums Zuffenhausen zur Gründung des Gymnasiums Stuttgart-Freiberg geführt hatte, setzte sich in weiteren Aktionen fort. So wurde man zum Protagonisten bei der Oberstufenreform: ein Jahr vor der landesweiten Einführung nahmen Freiberger Oberstufenschüler bereits daran teil. Das Gymnasium erhielt auch als eines der ersten einen Computer, mit dem eifrig gearbeitet wurde.
Ferner kam es zum Schüleraustausch mit Frankreich, der auch heute noch gepflegt wird. Die Schülerzahlen stiegen und erreichten im Schuljahr 1979/80 mit 1048 in 37 Klassen (wovon neun in der Herbert-Hoover-Schule unterrichtet werden mussten) ihren bisherigen Höhepunkt.
Höhepunkte gab es in den 25 Jahren auch auf den Gebieten schulischen Schaffens. So sorgten die Theateraufführungen unter Leitung von Dr. Horst Witeschnik oder die musikalischen Aufführungen unter der Leitung von Ilse Hahn und Harald Häbich ebenso für Begeisterung wie Schulbälle und Sportveranstaltungen. Einen Einschnitt stellte der Schulleiterwechsel im Jahre 1985 dar. Dr. Schubert ging in Pension und damit endete eine Ära, die untrennbar mit dem Auf- und Ausbau des Schulzentrums verbunden war. Im August 1985 wurde sein Nachfolger Uwe Brauer in sein Amt eingeführt. Auf sein Bestreben begann ein neuer Schüleraustausch mit Valbonne (Frankreich) und die Kooperation mit den Schulen im Einzugsbereich des Gymnasiums.
Schülerinnen und Schüler beteiligten sich an der Renovierung des Novalis-Geburtshauses, Schloss Oberwiederstedt (ehemalige DDR); und nach der friedlichen Revolution in Osteuropa wurden Kontakte zu Estland geknüpft.

Autor: Helmut Krause